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Amthausberg / Ebenöde

 

Diese Seite soll ältere Bürger dieser Stadt an ihre Jugendzeit erinnern und für die jüngeren einen kleinen Blick in die Geschichte

der Stadt Vlotho ermöglichen.

Vlotho

Für die erste urkundliche Erwähnung Vlothos wird das Jahr 1185 angenommen, als ein „Gottfried von Vlotho dem Kloster Loccum sieben Hufen Land“ geschenkt hat. Beurkundet hat diesen Vorgang Bischof Anno von Minden. Vlotho wurde schon im 13. Jahrhundert als Stadt bezeichnet und war mit eigenem Stadtrichter und entsprechenden Rechten versehen. Nachstehend werde ich Ihnen Vlotho mit Bildern und Informationen aus vergangenen Zeiten kurz vorstellen.

Die Entstehung des Ortsnamen Vlotho

Der Name Vlothowe kommt aus dem Plattdeutschen und heißt übersetzt Flussaue oder Fließaue. „Vlauthe“ oder „Vlothe“ o. ä. Hier ist jedoch nicht die Weser gemeint, sondern der heutige Forellenbach, der in der Weser mündet.

 

 

Stichwort Panoramabild - mit Amthausberg

Ein Panoramabild aus dem „alten Vlotho“ von 1926 ist im Besitz des Vlothoer Stadtarchiv und wurde offenbar auf dem Dach der höher gelegenen Zuckerfabrik „Ohle & Bonnemeier“ aufgenommen. Links ist die Weserstraße zu sehen, damals mit Telegraphenmasten bestückt. Zu sehen sind im Bildmittelgrund auch die Gebäude der Bismarckstraße, darunter ein Fabrikgebäude vom Zigarrenhersteller „Niemann & Tintelnot", das Zoll-Lagerhaus und das Zollamt direkt an den Bahnschienen.In der Mitte, gut sichtbar ist der der Bismarckturm, der wie die Weserbrücke damals ein Wahrzeichen von Vlotho war. In „vollem Glanze" erscheint die Schöningsche Villa im rechten Bildbereich. Im Hafen herrschte reges Treiben. Ein Raddampfer hat an der Kaimauer angelegt, weiter vorn werden Schiffe entladen. Auch hinter dem Kran verbirgt sich eine Geschichte, wie Fritz Finkhäuser zu erzählen wusste. Sein Großvater Gustav Schmidt hatte ins Tagebuch eingetragen, dass genau dieser Kran kurz nach Inbetriebnahme im Jahr 1904 umgestürzt war. Panoramakarten, das lässt sich festhalten, waren in damaliger Zeit besonders beliebt.

 

Postkarte, um 1935 - Blick von der Weserbrücke zum Amthausberg

 

 

Postkarte, um 1915 - Blick ins Wesertal von der Burg

 

 

Postkarte 1910 - Blick zum

Winterberg von der Burg

 

Stichwort Aus der Geschichte des Amthausberges

Germanische Zeit um Christi Geburt. Wallburg von 500 m Umfang mit der Doppelwallburg Schwedenschanze als Flankenschutz nach Westen.

Befestigter Königshof im Südteil der Wallburg.

Von dem Grafen von Ravensberg erwirbt Heinrich von Oldenburg

im Erbgang die Herrschaft Vlotho (1248 - 1270). Er baut die

Höhenburg Vlotho und überläßt die Burg Schune (1258) Zisterziener-

nonnen als Kloster Segenstal.

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Stichwort Bismarckturm  

Weithin sichtbares Wahrzeichen des Amtshausberges war der Bismarckturm. Schon 1895, als der erste Reichskanzler 80 Jahre alt wurde, wollte man ihm auch in Vlotho eine besondere Ehrung zukommen lassen. Man begnügte sich aber damit, die bisherige Lagerhausstraße in Bismarckstraße umzubenennen. Als aber dann überall in deutschen Landen Bismarcktürme entstanden, wollte auch Vlotho nicht zurückstehen.

So beschloss man, einen Bismarckturm zu errichten, wie es in vielen anderen Städten auch geschehen war. Als Aussichtsturm sollte er eine Attraktion für Einheimische und Touristen werden. Die Kosten, die durch Sammlungen und eine städtische Anleihe aufgebracht wurden, beliefen sich auf  8.100 Goldmark (nach Dr. Karl Großmann). 1903 wurde der Bau durch Baumeister Krieger ausgeführt und für 600 Goldmark schuf der Berliner Bildhauer Künne das Bronzerelief des Reichskanzlers.

Am 10. September 1903 fand dann die Einweihung statt, in der der Turm der Stadt

Vlotho übergeben wurde. Diese verpflichtete sich feierlich, das Bauwerk für alle Zeiten zu erhalten. Aber als in der Zeit des Nationalsozialismus der Kreis Herford gegen den Willen der Vlothoer Bevölkerung den gesamten Amtshausberg übernahm und Ausgrabungsarbeiten vorgenommen wurden, stand der Bismarckturm im Wege und wurde 1939 leider abgerissen.

Einen Bericht über die Ausgrabungsarbeiten finden Sie hier. 

 

Einen ausführlichen Bericht vom Landrat Erich Hartmann über die Geschichte des Amtshausberges, der Burg und den Ausgrabungen des Jahres 1939 finden Sie hier:  

Stichwort Heimatmuseum auf dem Amthausberg

Einen besonderen Anziehungspunkt für die Besucher bot außer dem Bismarckturm das kleine Heimatmuseum. Der Gedanke, eine „Vaterländische Sammlung" in der alten Veranda einzurichten, tauchte zuerst schon im Jahre 1898 auf und ein Jahr später wurde der Ankauf eines Schrankes beschlossen.
Aber erst am 9. 4. 1904 erschien ein Aufruf in der Zeitung: als Andenken
der eigenen Vergangenheit Waffen-, Feld- und andere Erinnerungszeichen
an 1870/71 und 1813-15 und die Friderizianische Zeit zu sammeln. Erwünscht seien aber auch andere Altertümer als Bilder, Glassachen, Tonsachen,

Holzschnitzereien, alte Münzen, Steinmassen, Bronzemassen und Naturalien.     Zum Weiterlesen, Bild anklicken.

Stichwort Burg Vlotho

Die Geschichte reicht bis in das Jahr 1270 zurück. Die Burg wurde 1368 von den Truppen der Stadt Minden zerstört. Ab 1709 wird die Burg als Gefängnis genutzt. 1858 wird das Gefängnis aufgehoben. Eine erste Gastwirtschaft wird im Jahr 1884 eingerichtet. Im Jahr 1889 geht der Amthausberg mit der Burgruine in den Besitz der Stadt Vlotho über. Ein Brunnen mit einer Tiefe von 52 Metern und Teile der Burgmauern sind heute noch zu besichtigen.

 

Stichwort  Jugendherberge

Die Geschichte der Vlothoer Jugendherberge ist noch  jung. Eine behelfsmäßige Jugendherberge wurde 1921 an der Poststraße eingerichtet. Wegen des starken Andrangs wurde sie zwei Jahre später ins Gasthaus Felsenkeller verlegt. Erst 1931 wurde ein eignes Gebäude auf dem Amthausberg errichtet. Nach dem zweiten Weltkrieg wurden dort Heimatvertriebene untergebracht. Als sie 1953 frei wurde, erfolgte ein Umbau so wie wir die Jugendherberge zuletzt kannten. Gleichzeitig wurde die Jugendherberge auf über 130 Betten erweitert. 1968 waren es 3700 Personen die zum Übernachten einkehrten. In den letzten Jahrzehnten ging

die Anzahl der Übernachtungen zurück. Als noch erforderliche bauliche Änderungen auf den Betreiber zukamen, wurde die Jugendherberge 2005 geschlossen und das Gebäude wenig später abgerissen. Die Aufgaben der Vlothoer Jugendherberge übernahm nun die Stadt Porta Westfalica. Das Foto zeigt die Jugendherberge um 1959.

Stichwort Kinderheim auf der Ebenöde

Hoch über dem Wesertal bei Vlotho erhebt sich hinter der Burganhöhe des Amthausberges die Ebenöde. Hier hatte der Landkreis Herford gleich nach dem 2. Weltkrieg das „Kinderkurheim Ebenöde“ geschaffen. Es liegt am Südhang des Gipfels auf 200 m Höhe, in einer waldreichen Umgebung mit herrlichem Blick auf das Wesertal und die Vlothoer Berge.

 

Zum Weiterlesen, Bild anklicken.

 

 

 

 

Amtshausberg

1500 - 1937

 

Der Amtshausberg ist zwar nicht die höchste Erhebung in der alten Titularstadt* Vlotho, wohl aber die markanteste. Er ist 141 Meter hoch und stößt mit einem Ausläufer steil bis an den Stadtkern und die schmale Flussaue auf dem linken Weserufer vor. In den späteren Formationen der Erdgeschichte entstand ein reizvolles Landschaftsbild, das die Menschen immer wieder beeindruckte.

 

* Mit Titularstadt bezeichnet man oftmals eine eigenständige Gemeinde oder einen Stadtteil, dem ursprünglich die Stadtrechte verliehen wurden, die jedoch später wieder aberkannt wurden.

 

*Titularstadt nennt man eine Gebietskörperschaft, die formell den Titel Stadt trägt und in der Regel eine eigenständige Gemeinde ist, der jedoch mehrere Elemente einer Stadt fehlen.

 

Die ersten Häuser Vlothos entstanden an der Nordostseite dieses steilen Ausläufers. Da der Keupersandstein sehr hart ist, hatten die Häuser nur zur Straße hin einen kleinen Keller.

 

Die ersten beiden Abbildungen des Amtshausberges mit der Burg wurden im Jahre 1581, zu Papier gebracht. Damals entstanden Streitigkeiten über den Grenzverlauf in der Weser. Genaugenommen ging es um den Besitz der Weserinsel (heute nicht mehr vorhanden), des heutigen Werders. Kontrahenten vor dem Reichskammergericht in Speyer waren der Herzog von Kleve, Jülich und Mark, dieser war gleichzeitig Graf von Ravensberg, und der Fürstbischof von Minden.

 

Diese beiden Abbildungen wurden aus dem Buch "Geschichte der Stadt Vlotho" von Dr. Großmann Seite 57 und 58 entnommen.

 

Blick von Uffeln auf dem Amtshausberg

 

Burg und Weser gesehen aus Richtung Ebenöde.

 

Die Räte des Herzogs schickten Arnold Mercator, einen Sohn des berühmten Gerhard Mercator, aus Duisburg nach Vlotho, um eine Zeichnung von Burg und Weser anzufertigen. Die beeindruckendere Zeichnung ließ allerdings der Fürstbischof von Uffeln aus anfertigen.

 

Seit dieser Zeit ist der Amtshausberg mit der Burg, beziehungsweise deren Resten, immer wieder Gegenstand bildnerischer Darstellungen gewesen. Die vorliegende Bildpostkarte ist wesentlich jünger, aber über 70 Jahre alt, denn sie wurde 1920 geschrieben. Auch sie zeigt den Amtshausberg mit dem Bismarckturm und dem Burgrestaurant von Uffeln aus. Auffallend sind die sich den Südosthang hin und her schlängelnden Hecken.

 

Die waren gleichzeitig Grundstücksgrenzen und Windschutz. Sonst war dieser Teil des Hanges unbewaldet und diente als Gartenland für die Anwohner der Langen Straße. Ein solcher Garten gehörte zu beinahe jedem Haus im Stadtkern. Man baute Gemüse an und Futter für die Schweine.

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Auf dem linken Bild sind die Gärten und Hecken gut sichtbar. Die Weserbrücke fehlt noch. Foto: 1922.

 

 An Gebäuden am Südosthang des Amtshausberges ist nur das Haus Röttcher zu erkennen. Am Nordhang reicht der Wald bis an die Bebauung der Langen Straße. Neben dem Burgrestaurant befand sich das Heimatmuseum. Zusammen mit dem Bismarckturm wurde es im Zuge der Ausgrabungen auf dem Burggelände 1937 abgerissen.

 

Das Heimatmuseum war dreimal in der Woche und am Sonntag jeweils nachmittags göffnet. Ein freundliches Männchen zog die Leinenvorhänge an den Fenstern zur Seite und für 5 Pfennig Eintrittsgebühr durfte man die Schätze bestaunen.

Es gab dort Spinnräder, Flachshaspeln, Rüstungen, Hieb- und Stichwaffen,   Steinschlosspistolen, Steinkugeln, Fragmente von Fenster- und Türbögen und eine große Schmetterlingssammlung.

 

 

 

 

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