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Die Vlothoer Industrie

 

Diese Seite soll ältere Bürger dieser Stadt an ihre Jugendzeit erinnern und für die jüngeren einen kleinen Blick in die Geschichte

der Stadt Vlotho ermöglichen.

 

Die Industrie in Vlotho 1911 -  Einwohner 5000

 
 

Brauereien

1

Buchdruckereien

2

Destillationen

3

Gasanstalt

1

Glanzstärkefabrik

1

Kalköfen

2

 

Kistenfabriken

4

Lohngerbereien

1

Maschinenfabrik

1

Mehlmühlen

3

Mineralwasserfabrik

1

Ölmühlen

1

 

Papierfabrik

1

Sägemühlen

2

Steinbrüche

1

Ziegeleien

1

Zigarrenfabriken

38

Zuckerfabriken

2

           
     

   

Stichwort Abwärtstrend in der Zigarrenindustrie

Nur noch 59 Zigarrenmacher in der Zigarrenstadt Vlotho (1961).

Zigarrenindustrie des Amtes Vlotho im Spiegel der Einwohnerbücher von 1926 und 1961

1962 war das „Heimat-Adressbuch Landkreis Herford 1961" erschienen. Da das Einwohnerverzeichnis auch die Berufe enthält, ermöglicht es, festzustellen, wie viel Einwohner in der Zigarrenindustrie tätig sind. Ein Vergleich mit dem ersten „Einwohnerbuch" aus dem Jahre 1926 zeigt, welch große Veränderungen in diesen 35 Jahren eingetreten waren.

 

Stichwort Tabakindustrie

 

Als erster Fabrikant der Tabakverarbeiter hatte sich um 1773 der Kaufmann Becker aus Minden niedergelassen. Die erste Tabakwarenfabrik entstand 1830 (Busse und Hildebrandt). Weitere entstanden in den nächsten Jahrzehnten, so dass die Gewichtung zunahm und 1870 die zuvor bedeutsamere Zuckerindustrie ablöste. Die Absatzlage war so gut, dass allein in der Stadt Vlotho (mit Valdorf und Exter) im Jahr 1926 in 79  Betrieben Tabak verarbeitet wurde.

Durch Einführung der teuren Wickelmaschinen konnten die kleinen Manufakturen aufgrund sinkender Marktpreise und geringer Kapitaldecke mit der Entwicklung nicht mehr Schritt halten und die weltweite zurückgehende Nachfrage nach Zigarrenprodukten hielt auch bei uns Einzug. Im Februar 1957 kam es zur Schließung folgender Betriebe:

Th. Wiercks, G. Süllwold, Fritz Süllwold, Otto Süllwald, F. A. Prüßmeier, H. Schminke, C. A. Stemmer, Fritz Reuter - Valdorf West, Gustav Sprang und Heinrich Schemel - Hollwiesen.

 

Die rund 40 freigewordenen Arbeitskräfte fanden größtenteils wieder Beschäftigung in den neun noch verbliebenen Betrieben:

Friedrich Schöning, Schöning & Co., Niemann & Tintelnot, S. A. Klinksiek, H. A. Klinksiek, Prüßmeier & Krüger, Altehans, Friedrich Beenss und H. Kampmeier.

 

1968 gab es nur noch vier Tabakwarenfabriken in Vlotho. Es waren die Firmen:

Niemann & Tintelnot, Friedrich Schöning, S. A. Klinksiek und Friedrich Beenss.

 

Als letzte Zigarrenfabrik stellte 1983 Niemann & Tintelnot die Produktion ein.

 

Stichwort Niemann & Tintelnot, Zigarrenfabrik

 Der Zigarrenfabrikant Emil Niemann, Vlotho und der Handlungsagent Leopold Tintelnot, Lemgo gründeten am 29. Juni 1867 die Zigarrenfabrik Niemann & Tintelnot. Erster Standort war das Thoßsche Lagerhaus Bismarckstraße 6 (ehemals Lagerstraße). Gut laufende Geschäfte führten zur stetigen Erweiterung der Gebäude an der Bismarckstraße. Mit 300 Beschäftigten war N&T die größte der damals 26 Zigarrenfabriken in Vlotho. 1913 wurde ein Grundstück an der Moltkestraße erworben, wo ein Jahr später ein Neubau entstand. Mit der Tabakindustrie ging  es in Vlotho weiter aufwärts. Es gab 1926 achtzig tabakverarbeitende Betriebe dort.

In der Wirtschaftskrise 1933 wurde das „Gesetz über die Einschränkung der Verwendung von Maschinen in der Zigarrenherstellung“ erlassen mit dem Ziel, die Beschäftigtenzahl in diesem Gewerbe zu erhalten. 1952 erfolgte der Ausbau des

Betriebes Bismarckstraße 7 als Einlagefabrik für die Tabakmischungen. Gleichzeitig kam es zur Erweiterung der Fabrik an der Moltkestraße.           Zum Weiterlesen, Bild anklicken.

Stichwort  Schöning Zigarrenfabrik

Die Geschichte der Zigarrenfabrik Schöning geht bis in das Jahr 1802 zurück. In diesem Jahr gründete Friedrich Schöning (1776-1833) die Jülich´sche Tabakfabrik. 1836 trat sein Sohn Hermann Schöning (1819-1857) in die Firma Busse & Hildebrand in Vlotho ein, die zuvor an der Langen Straße Nr. 55 neu gebaut hatten. Später wurde Busse & Hildebrand von der Firma Schöning übernommen.

Mit der Gründung der Zigarrenfabrik „Hoening & Schöning im Jahr 1846 machte die Firma Schöning in Vlotho an der Langen Straße Nr. 43 „Alte Bude“ ihren Anfang. Am 1. Januar 1849 kam der Osnabrücker Friedrich Schöning (1805-1877) nach Vlotho und trat in diese Firma ein. Fortan liefen die Geschäfte so gut, dass immer mehr Arbeitskräfte eingestellt wurden. So belief sich die Zahl der Beschäftigten im Jahr 1860 auf 266 Arbeiter, darunter 42 Frauen. Als Gustav Hoening 1870 starb, wurde die Firma von dessen Witwe Luise Hoening und Friedrich Schöning weitergeführt.

Nur ein Jahr später (1871)  wurde das Verhältnis der beiden Partner in gegenseitiger Übereinkunft gelöscht. Ab dem 1. Januar 1871 hieß die neue Firmenbezeichnung „Friedrich Schöning“.            Zum Weiterlesen, Bild anklicken.

Stichwort Beenss Zigarrenfabrik

Eine von vielen Vlothoer Zigarrenherstellern war die Zigarrenfabrik Beenss. Bereits 1872 wurde sie im Haus "Vlotho Nr. 94" an der Langen Straße neben dem Rathaus von Friedrich Beenss gegründet. Etwa um 1910 erfolgte der Umzug an die Winterbergstraße Nr. 16, wo die Firma von ihm und seinem Sohn Friedrich jun. geführt wurde.

Die Herstellung der Zigarren erfolgte bis Ende des 2.Weltkrieges in Heimarbeit, was damals in Vlotho gang und gäbe war. Die Heimarbeiter kamen mit Bollerwagen oder Schiebkarren immer samstags zum Abliefern der fertigen Zigarren. Die Tabakreste, d.h. Rippen und Sand(!) und die Zigarren

mussten auf Anordnung der Zollbehörde genau gewogen und in einem Ablieferbuch quittiert werden. Ein geringer, festgelegter  Schwund wurde toleriert.     Zum Weiterlesen, Bild anklicken.

Stichwort W. Sander & Sohn

Zu den wenigen Fabriken in der Stadt Vlotho, die auf ein Bestehen von mehr als 100 Jahre zurückblicken konnten, gehörte die Maschinenfabrik W. Sander & Sohn. Gegründet wurde sie 1869, als sich Wilhelm Sander (geb.1843), der bis dahin als Geselle bei dem Schmied Saul in Vlotho gearbeitet hatte, selbständig machte und in Hausberge die Schmiede der Glasfabrik ,,Weserhütte“ der Gebr. Schwarze & Meyer pachtete. 1873 pachtete er die Schmiede seines ehemaligen Meisters Saul für drei Jahre. Nach Ablauf der Pachtzeit kaufte er 1875 von dem Kaufmann Niemann ein Grundstück in der Größe von 454 qm an der Koppelstraße, heute Poststraße, für 750 Taler, fünf Mark je Quadratmeter.

Hier wurde das zweigeschossige Gebäude errichtet, das neben der Schmiede auch die Wohnung enthielt. 1880 wurde bereits das danebenliegende Grundstück dazugekauft und das Unternehmen erweitert.          

Zum Weiterlesen, Bild anklicken.

Stichwort Geschichte der Vlothoer Zeitungen

Die Geschichte der Vlothoer Zeitungen geht bis ins Jahr 1848 zurück. Viele Versuche in Vlotho eine Zeitung herauszugeben scheiterten nach kurzer Zeit. Allein das Anzeige-Blatt ab 1890 von Sitte & Thorein konnte sich fast vier Jahrzehnte halten.

Ab 1906 erschien die Vlothoer Zeitung an der Langen Straße, ein Vorgänger des heutigen Vlothoer Anzeiger. Verlagsgründer war Heinrich Meyer (1882 – 1952). Jetzt erfolgten nicht nur Anzeigen, sondern auch eine regelmäßige

Berichterstattung.1907 wurde der Standort an der Langen Straße aufgegeben. Es folgte zunächst ein Umzug in die Mühlenstraße und danach in die Weserstraße Nr. 7  (vor 1920). Die Zeitung erschien in dieser Zeit dreimal pro Woche. 1920 kaufte die Volkspartei die Vlothoer Zeitung auf, druckte nun in Herford und stellte kurz danach das Erscheinen ein. Für Heinrich Meyer eine Schmach.      Zum Weiterlesen, Bild anklicken.

Stichwort Lüttgau

Bevor an der Herforder Straße in der Nähe der katholischen Kirche Kunstblumen hergestellt wurden, wurden diese Fabrikgebäude vielfältig genutzt. Zunächst war dort eine Gersten- und Graupenmühlen Fabrik ansässig. Im Jahr 1865 wurde eine Zementfabrik aufgebaut und 1876 richteten die Kaufleute Heinrich Süllwald und Carl Hartwig eine Büttenpapierfabrik * ein. Als diese 1927 abbrannte, wurde die Papierherstellung nicht wieder aufgenommen.

Nach dem Wiederaufbau wurde im Jahre 1932 dort eine Kunstblumenfabrik von Carl Lüttgau errichtet, der zuvor in Hameln

ansässig war. Im Jahr 1951 wurde die Firma von der Herforder Straße in den Bonneberger Weg Nr. 2 verlegt. Nach dem Tode des Gründers Carl Lüttgau (1952) übernahm sein Sohn Günter den Betrieb und leitete ihn bis 1975. Auf Grund der Stadtsanierung ** einigte man sich darauf, die Firma nicht umzusiedeln, sondern die Fabrikgebäude (1975) abzureißen. Die Firma erlosch.

* Was ist Büttenpapier?

Büttenpapier ist ein stofflich hochwertiges Papier in vielen Versionen, mit absichtlich ungleichmäßigem Rand, vielfach mit Rippen und Wasserzeichen. Für Urkunden und individuellen Einsatz.

** (Gewerbebetriebe wurden aus der Innenstadt entfernt)

Stichwort  HEWA

Karl Heusinger von Waldegge (* 1899 † 1942) gründete 1923 an der Valdorfer Str. 89 eine Näherei, in der zunächst Lohnaufträge für Fremdfirmen ausgeführt wurden. Mit Kriegsbeginn kam die Produktion von Militäruniformen hinzu. Als Karl Heusinger von Waldegge 1942 verstarb, führte seine Frau Martha (* 1899 † 1970) den Betrieb allein weiter.

Der Sohn Karl-Heinz kehrte Weihnachten 1947 aus Kriegsgefangenschaft zurück. Er machte zunächst eine Ausbildung zum Textilkaufmann. 1950 gründete er, zusammen mit seiner Ehefrau Margarete, unter dem Namen „HEWA Kleiderfabrik" ein

eigenes Unternehmen.       Zum Weiterlesen, Bild anklicken.

Stichwort August Henke, Maschinenfabrik

Der Schmiedemeister Friedrich Wilhelm August Henke, der Großvater des letzten Inhabers der Henke-Maschinenfabrik, gründete im Jahre 1879 in Vlotho (Bonneberg Nr. 104) einen Handwerksbetrieb (Hufschmiede), der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, vornehmlich für die Landwirtschaft  Schmiedearbeiten auszuführen. Nach der Übernahme des Betriebes durch den ältesten Sohn August im Jahre 1904 wurde die Firma vergrößert und zählte dann acht Beschäftigte, drei Gesellen und fünf Lehrlinge. Bis zum Jahre 1933 hatte sich die Firma schon zu einem Industriebetrieb entwickelt, der Fertigungen für eine Reihe von

Kieswerken, Zigarren- und Zuckerfabriken des hiesigen Raumes ausführte. Einer der größten Aufträge in dieser Zeit war die Anfertigung und Montage des Geländers der Weserbrücke 1928.     Zum Weiterlesen, Bild anklicken.

Ein Bild von der Belegschaft (80 Pers.) an der Herforder Straße finden Sie auf der Großbildseite.

Stichwort Kannegiesser Maschinenfabrik

Seit 1948 ist in Vlotho, Ortseil Valdorf-West, aus bescheidensten Anfängen ein Unternehmen gewachsen, das sich gegen weltweite Konkurrenten eine Spitzenposition erarbeitet hat. Jahr für Jahr fahren im Durchschnitt 2.000 Fachbesucher aus allen Ländern nach Vlotho um Information und Rat bei der Firma Kannegiesser zu suchen. Mehr als 650 Vlothoer Bürger sind Mitarbeiter dieses Unternehmens und haben Kannegiesser zum größten gewerblichen Arbeitgeber der Stadt Vlotho gemacht.

Zum Weiterlesen, Bild anklicken.

Stichwort Meyra

Der Fabrikant Wilhelm Meyer wurde 1909 geboren. Wilhelm Meyer erlernte den Schlosserberuf und schloss später seine Ausbildung mit der Meisterprüfung ab. Er machte sich selbstständig  und begann mit der Fertigung von Hilfsmittel für Behinderte in einer kleinen Halle von 100 qm. Das war am 1. April 1936 an der Langen Straße 17a. 1938 erfolgte der Umzug in die Lange Straße 50 (neben Cafe Sonntag). Dort standen nun 500 qm Fläche zur Verfügung. Der Durchbruch für seinen späteren Erfolg war zunächst  der Motorwagen mit einem 98 ccm Motor. Alles wurde aus Kostengründen zunächst selbst gemacht, nicht nur die Metallarbeiten, sondern auch die Maler- und Polsterarbeiten. Nach 1945 beginnt

der steile  Aufstieg. Im Jahr 1946 kaufte Wilhelm Meyer das Grundstück an der alten „Kleinbahnhofstraße“. In dieser Zeit beschäftigte er bereits 40 Arbeiter.   Zum Weiterlesen, Bild anklicken.

Stichwort Meyra - Kleinwagenbau in Vlotho

Viele kennen sie - und wenn auch nur aus Museen: den Messerschmidt-Kabinenroller oder die BMW Isetta. Aber wer kennt den Kleinwagen aus heimischer Produktion noch: den „Meyra 55". Dieses Fahrzeug ist in den 1950er Jahren von der früher in Vlotho, an der heutigen Meyrastraße und heute in Kalldorf ansässigen Firma Meyra gebaut worden. „Es handelt sich bei diesem Kleinwagen um eine optische Weiterentwicklung von Krankenfahrzeugen aus den frühen 1950er Jahren. Diese wurden für Kriegsversehrte gebaut, die nicht an der Lage waren, aufgrund von Verletzungen und gesundheitlichen Schädigungen einen der üblichen

Kleinwagen zu bedienen".      Zum Weiterlesen, Bild anklicken.

Stichwort Reiermann / Präsident

Erster Zollstock aus einem Zigarrenkistendeckel

Günther Reiermann (geb. 1922) eröffnet 1947 in der ehemaligen Tischlerei Röbbecke an der Langen Straße Nr. 130 (heute Altstadt-Apotheke) eine Maßstabfabrik. Zunächst stellte er mit drei Arbeitern Zollstöcke aus Zigarrenkisten her. Doch es sollten bald schon mehr sein.

1949 waren es 20 Mitarbeiter. Und nachdem die anfänglich improvisierten Hilfsmaschinen den gesteigerten Ansprüchen nicht mehr gewachsen waren, wurden in eigener Regie verbesserte Konstruktionen erprobt und eingesetzt. Zudem musste er von Jahr zu Jahr neu denken, neu planen, neu konstruieren,

eigene Maschinen entwickeln; denn immer dann, wenn eine Maschine fertig war, kam schon der Ruf nach der nächsten, weil die vorhandene Kapazität nicht mehr ausreichte.       Zum Weiterlesen, Bild anklicken.

Stichwort  Albert Stübbe

Albert Stübbe (1877-1921) eröffnete 1908 in Valdorf-West Nr.357 eine Lederzubereitungsanstalt. 1927 stieg sein Sohn Friedrich (1906-1998) in den Betrieb ein und begann mit der Produktion von Artikeln für das Schumacherhandwerk. 1936 wurde die ehemalige Zigarrenfabrik König an der Herforder Straße erworben, in der während des Krieges Maschinen zur Gummibearbeitung, Schuhabsätze und auch Schuhe hergestellt wurden. Die Schuhfabrik wurde 1954 geschlossen. Zuvor hatte man schon mit der Herstellung von Transportbändern begonnen. 1952 kam noch die Herstellung von

Spritzgussmaschinen hinzu.      Zum Weiterlesen, Bild anklicken.

Stichwort Möbelfabrik Sellmann

Wilhelm Sellmann sen. ( *1874  †1961 ), der eine Lehre beim Tischermeister Marten absolvierte, machte sich 1902 auf dem Bonneberg selbständig. Als erstes baute er das Haus von Südmersen. In den nächsten Jahren folgten weitere Bauten. Im Winter befasste man sich vorwiegend mit Stellmacherarbeiten und der An­fertigung von Möbeln. Alle Arbeiten wurden noch mit der Hand ausgeführt. Nach drei Jahren wurde infolge der Vermehrung der Aufträge ein Geselle, 1908 der erste Lehrling angenommen. Die Folgen des 1. Weltkrieg führten zu einem Rückgang des Geschäfts. Als einziger Lehrling blieb der Sohn Wilhelm Sellmann

jun. (geb. 1900). Dieser sah sich nach dem Kriege in anderen Betrieben um und regte nach seiner Rückkehr an, sich auf Maschinen umzustellen.               Zum Weiterlesen, Bild anklicken.

Stichwort Vlothoer Papierfabrik

Die Geschichte der Papierfabrik geht bis 1571 zurück, als der Lemgoer N. Möllenbeck die Genehmigung zum Bau einer Papiermühle erhielt. Nach Fertigstellung verpachtete er die Mühle an den Papiermeister Schmidt. Bis 1760 blieb diese Mühle im Besitz der Familie. Danach übernahm der Vlothoer Bürgermeister Heinrich Mühlenfeld den Betrieb. Im Jahr 1800 übernahm Paulus Gottlieb Hanweg die Mühle und übergab diese 1840 an Friedrich Wilhelm Weitenauer. Durch einen Brand fiel 1906 ein Teil des Betriebes zum Opfer und die Gebrüder Moses und Levi Mosheim übernahmen die Fabrik. 1938 waren die Mosheims gezwungen, den

Betrieb im Zuge der "Arisierung" an nichtjüdische Käufer zu verkaufen. Die Firma "Union Werk Gesellschaft von Deylen" aus Visselhövede übernahm die Produktion und führte das Unternehmen bis zur Stilllegung 1966 weiter.

1986 erwarb die Firma Lohmeier-Schaltschränke diesen Komplex.

Ein Ölgemälde von der Papierfabrik von Deylen aus dem Jahr 1951 finden Sie hier:  

Stichwort Kalkofen

Was ist Kalk?

Im engeren Sinne versteht man unter Kalk heute die veredelten Produkte Branntkalk und Löschkalk, auch Kalkhydrat genannt, die industriell gewonnen werden.

In Vlotho wurde schon in den letzten Jahrhunderten Kalk gebrannt. Bis 1945 gab es in Vlotho noch zwei Kalköfen, beide am Paterberg. Der letzter Vlothoer Kalk wurde im Kalkwerk an der Herforder Straße gegenüber der katholischen Kirche gebrannt. Das Grundgestein wurde im Paterberg abgebaut. Letzter Besitzer des Kalkofens war Fritz Kahre, der den Betrieb 1958 aufgab. Der freigelegte Berg, der sich durch den Abbau ergab, bot ein zerstörtes Landschaftsbild. In den letzten Jahrzehnten hat sich dieses Bergstück durch den Bewuchs von Bäumen einigermaßen erholt, so dass die Abbaufläche des Berges weniger sichtbar ist.              Bericht

 Stichwort Brauerei Volbracht – zuvor Gebr. Brandt

 Aus der Geschichte der Brauerei Volbracht

 Aus den Chroniken und Dokumenten Vlothos geht hervor, dass die Bürger unserer alten Weserstadt seit alter Zeit Neigung zu einem fröhlichen Umtrunk gezeigt haben, wobei sie Wert auf Bier von wirklicher Güte legten. Seit vielen Generationen gab es in der Stadt Brauereien, die ein „köstlich Bier" zu brauen verstanden, das über Vlotho hinaus beliebt war. Zu ihnen zählte auch die Brauerei Volbracht.

Alten Aufzeichnungen zufolge wurde bereits im Mittelalter in Vlotho Bier gebraut, vor allem auf der Burg auf dem Amthausberg, an dessen Hang im 15.

Jahrhundert nachweislich Hopfen angebaut wurde. Im Jahre 1770 bestanden sieben kleine Braustellen, doch eine dem damaligen industriellen Fortschritt entsprechende größere Brauerei wurde erst 1830 von dem aus Bayern stammenden Braumeister Bauer errichtet. Dieses im damaligen „Felsenkeller" eingerichtete Unternehmen trug - wie der Apotheker Doench 1840 berichtete - „ungemein zur Hebung der Bierkultur" bei.   Zum Weiterlesen, Bild anklicken.

Mehr über die Brauerei und einem Vertrag zwischen Brandt und den ersten Braumeister finden Sie hier 

Stichwort Vlothoer Zuckerfabriken

Die erste Zuckerfabrik in Vlotho (Brandt) wurde 1825 in Vlotho errichtet.  Nur ein Jahr später wurde eine weitere Zuckerfabrik (Mühlenfeld) in Betrieb genommen, aus der später die Zuckerfabriken Gebr. Tintelnot und Ohle hervorgingen. Es muss unterschieden werden zwischen einer  Zuckerfabrik (Herstellung von Rohzucker aus Rüben und Zuckerrohr) und einer Zuckerraffinerie (zuckerverarbeitenden Betrieb, in dem Rohzucker zu Kandis bzw. Haushaltszucker hergestellt wird, so wie es in allen Vlothoer Zuckerfabriken der Fall war). Zum leichteren Verständnis habe ich in den Beschreibungen nur das Wort Zuckerfabrik verwendet, so wie es damals im Vlothoer Volksmund üblich war.

 Hier eine Beschreibung und Übersicht der Vlothoer .

 

Links:

Firma Ohle & Bonnemeier an der Weserstraße. Der Schornstein wurde inzwischen abgetragen.

Luftaufnahme von der Zuckerfabrik und Umgebung

 

Rechts:
Bis 1969 die Zuckerfabrik Gebrüder Tintelnot, danach Scheef Kunstblumen-Fabrik. Heute?

Stichwort  Vlothoer Gaswerke

1862 wurde die erste Gasanstalt gebaut. Erbauer und Betreiber war der Amerikaner Hendrichs. Die Gasanstalt befand sich am Nördlichen Stadtrand in Höhe des Sperlsieks. Das erste Gas wurde Anfang 1863 produziert und verteilt. 1864 übertrug Hendrichs die Eigentumsrechte an die Vlothoer Kaufleute Schmidt und Stern. Als 1873 Ferdinand Schmidt nach Bielefeld zog, wurde Kaufmann Stern einziger Besitzer. Auch die Gasanstalt musste nach nur zehn Jahren ihren Betrieb wieder schließen. Grund war die Verlegung der Gleisanlagen der Linie Löhne-Hameln. Das Gelände wurde von der Hannover-Altenbekener Eisenbahngesellschaft angekauft.  Kaufmann Stern hatte inzwischen ein

neues Grundstück an der Herrenwiese erworben, wo er die Gasanstalt neu aufbaute. Auch die Stadt hatte inzwischen die Vorteile erkannt, die ein Gaswerk bot. Mit dem geplanten Städtischen Gaswerk war auch das Ende der Stern’schen Gasanstalt gekommen.     Zum Weiterlesen, Bild anklicken.

Stichwort Gaslampen

Die ersten Straßenbeleuchtungen in Vlotho wurden 1857 installiert und wurden mit Petroleum betrieben. Nur sechs Jahre später wurden sie durch die ersten 38 Gaslampen abgelöst. Am 19. Januar 1863 brannten zum ersten Male diese Gaslaternen. 1963 waren in Vlotho 155 Straßenlaternen mit Gaslicht und 78 elektrische Leuchten in Betrieb. Nach und nach wurde die Beleuchtung mit Gas eingestellt.

 

Links: Gaslaterne an der Langen Straße. 

An der "Grund" und in der Nähe des "Güterbahnhofs".

Stichwort Vlothoer Schlachthof

Der Vlothoer Schlachthof an der Rehmer Straße wurde 1898 erbaut. Jahrzehnte schlachteten die Vlothoer Schlachtereien dort ihre erworbenen Tiere. In den 1960er Jahren konnte dieser Betrieb nicht mehr kostendeckend arbeiten. Die Stadt, als Eigentümer, bemühte sich die Kosten zu reduzieren, aber ohne Erfolg. Das Defizit lag im Jahr 1970 bei 32.000 DM. Ende 1970 hatte der Rat beschlossen den Schlachthof im März 1971 zu schließen, falls sich bis dahin kein Käufer findet. Obwohl bis dahin kein Käufer gefunden war, wurde die Öffnung bis zum Herbst verlängert. Doch dann war es soweit, am 27.

September  war vorerst der letzte Schlachttag.     Zum Weiterlesen, Bild anklicken.

Stichwort Gut Deesberg - und die Ziegelei

Gut Deesberg liegt nur wenige Meter jenseits der Kreisgrenze, zwischen Vlotho und Bad Oeynhausen. Nicht allen Vlothoern ist bekannt, dass das

Gut Deesberg einst zum Amt Vlotho gehörte (siehe Karte)

und erst später ein Teil der Gemeinde Rehme wurde. Heute gehört Deesberg zu Bad Oeynhausen. Die Ziegelei trug einst zum wirtschaftlicher Erfolg des Gutes erheblich bei. Sie wurde 1768 von der Familie Hentzen / v. Schmeling gegründet. Die Besitzverhältnisse änderten sich, als 1822 Carl Friedrich Haccius Erbpächter wurde. Danach übertrug seine Witwe das Gut an den Gutsbesitzer Hentzen.   Zum Weiterlesen, Bild anklicken.

Stichwort Büsching & Rosemeyer Schiffwerft

Mit sieben Arbeitskräften begannen die Gründer der Firma Büsching & Rosemeyer, der 1944 verstorbene Heinrich Büsching und der 1948 aus dem Leben abberufene Heinrich Rosemeyer, im Jahre 1906 das Unternehmen ihrer Schiffswerft. Auf dem Betriebsgelände, das lange Zeit den Namen „Puckerplatz" trug, weil beim Abdichten der Schiffsnähte durch Holzhämmer so etwas wie puckernde Geräusche entstanden, befasste man sich zunächst mit der Herstellung von Holzbooten. Schon vier Jahre später (1910) wurde eine anfangs handbetriebene, dann von Pferden gezogene Querhelling, wie sie den damaligen Verhältnissen entsprach, angelegt. Sie erlaubte, die üblichen Weserkähne auf Land zu ziehen und wieder abzulassen. Bei Zeiten stellte man sich auch schon auf den weniger Instandhaltungskosten erfordernden Eisenschiffsbau um. Ein weiterer bedeutsamer Meilenstein in der Entwicklung der Werft war das Jahr 1925, in welchem der Betrieb elektrifiziert wurde. Das erste moderne Motorschiff von 500 t Tragfähigkeit, ausgerüstet mit einem Junkers-Dieselmotor, konnte im Jahre 1928 vom Stapel laufen. Acht Jahre später (1936) wurde die damals stilliegende Mewag-Werft in Mindan übernommen und 1941 käuflich erworben. In der Uffelner und Mindener Werft wurden 1956 über 250 Angestellte und Arbeiter beschäftigt.

Die bekannteste Spezialanfertigung war sicher das 1973 vom Stapel gelaufene und seitdem auf dem Berliner Wannsee schwimmende Fahrgastschiff „Moby Dick", das auch äußerlich einem Walfisch ähnelt.

1984 kam das Aus. B&R meldete Insolvenz an und wurde geschlossen.

 

 

Links:

Schiffwerfterft

Büsching & Rosemeyer

noch mit Schwenkkran bis Sept. 1968.

 

Rechts:

Schiffwerft Friedrich Rasche

Stichwort Rasche Schiffwerft

1877 gab die Weser erstmals den Impuls, auf dem jenseitigen Flussufer eine Schiffswerft einzurichten. Von ihrem Gründer übernahm sie dessen Schwiegersohn, der Schiffszimmermeister Friedrich Rasche, der ihr auch seinen Namen gab. Hatte man zunächst nur kleinere Holzboote, sogen. Moorschiffe, zusammengezimmert, so kam man unter seiner Leitung bald schon dazu, auch Reparaturen an großen Weserkähnen vorzunehmen. Die Schiffe blieben derweilen ,,vor Anker liegen". Das aber erwies sich nur als halbes Geschäft, denn der Anfall an Reparaturen war naturgemäß dort am größten, wo der Verschleiß am stärksten war, also gerade da am größten, wo man dem im Wasser liegenden Schiffsleib nicht zu Leibe rücken konnte. Meister Rasche gab daher nicht eher Ruhe, bis es möglich war, mit Hilfe einer zunächst handgetriebenen Aufzuganlage Weserschiffe aller „Kaliber trocken zu legen".

Der Schaffensfreude und Strebsamkeit des Schiffsbaumeisters Rasche setzte - es mögen gut 30 Jahre her sein - ein tragischer Unglücksfall ein jähes Ende. Als der in den besten Lebensjahren Stehende an der Reparatur eines Schiffes arbeitete, stürzte er in die Weser und erlitt dabei einen Schlag. Zu dieser Zeit besuchte der älteste und als Erbe berufene Sohn Fritz noch die Schule. Immerhin blieb die Werft erhalten, so dass sie von ihm nach Erlangung der Befähigung als Schiffsbauingenieur übernommen und weiter ausgebaut werden konnte. Wieder aber verwaiste das Unternehmen, als auch dieser Betriebsinhaber eines frühzeitigen Todes starb, indem er in den Wirren der Nachkriegszeit Opfer der ruchlosen Tat eines russischen Kriegsgefangenen wurde. Von ihrem Schwager Heinrich Rasche tatkräftig unterstützt, führt seitdem Frau Irmgard Rasche den Betrieb weiter, dem 1956 130 Mitarbeiter angehörten.

Anfang der 1950er Jahre gesellte sich noch ein Zweigbetrieb, die „Schiffswerft Rasche KG.", in Lohnde am Mittelland-Kanal hinzu, auf der 60 Angestellte und Arbeiter beschäftigt wurden.

In den Glanzzeiten waren in Uffeln bis zu 160 Arbeitskräfte tätig. Als dann in den achtziger Jahren der Preisdruck von osteuropäischen Mitbewerbern immer größer wurde, musste die Schiffwerft Rasche 1988 schließen. Ein kostendeckendes Arbeiten war nicht mehr möglich.

 

 

 

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